.: Anerkennung :. Architekturpreis 2006 Metalldächer und Fassaden : E-Werk Abspannwerk Buchhändlerhof in Berlin-Mitte. PDF A4x6

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Neue Impulse für ein Industriedenkmal: Das E-Werk






Beim Projekt E-Werk in Berlin Mitte haben Hoyer Schindele Hirschmüller + Partner Aluminium als zeitgemäßes Material in Dialog gesetzt mit der historischen Struktur eines Industriedenkmals. Durch die Andersartigkeit des Metalls haben sie der neuen Nutzung des Gebäudes Ausdruck verliehen und einen eigenen Gestaltungsimpuls gesetzt. Architektonische Veränderungen werden durch die Materialwahl markiert. Die spezifischen Aufgabenstellungen an verschiedenen Stellen des Gebäudes führen dabei zu jeweils darauf reagierenden Lösungen.

Das historische Abspannwerk Buchhändlerhof in Berlin Mitte (1924-28, Architekt Hans Heinrich Müller) erlangte in den 90er Jahren internationale Bekanntheit durch seine Zwischennutzung als Techno-Club „E-Werk“. Es gilt als ein herausragendes Beispiel der Industriebaukultur der 20er Jahre. Die beiden Gebäudeteile des Abspannwerks – Nord und Süd – sind durch ein schmales, hohes Brückengebäude miteinander verbunden. Die expressionistische Fassade ist aufgrund der städtebaulichen Situation zum Innenhof hin ausgerichtet.

Von März 2004 bis Mai 2005 wurde das „E-Werk“ zum Firmensitz eines IT-Unternehmens umgebaut. Den geschlossenen und autonomen Charakter des technischen Bauwerks galt es zu verwandeln in ein lichtes, modernes Bürogebäude, das sich zur Stadt hin öffnet. Es gelang, die Atmosphäre des Industriedenkmals zu bewahren und die neue Nutzung ästhetisch und funktional in das Ensemble zu integrieren.





Kontrast und Reflexion: Die Metallfassade



In weichen Rundungen stehen die neuen Bauteile des E-Werks der massiven Klinkerfassade des Altbaus gegenüber: ein Treppenhaus, die Chillout-Lounge und Technikinseln auf dem Dach. Diese Ergänzungen grenzen sich selbstbewusst ab gegen die Architektur des Industriedenkmals. Sie kontrastieren auf verschiedenen entwurflichen Ebenen und reflektieren zugleich das Vorhandene: Der Architekt des Altbaus Hans Heinrich Müller verwendete konkave Formen, die in expressionistischen Spitzen münden. Hoyer Schindele Hirschmüller + Partner setzen konvexe Rundungen dagegen. Bewusst reduzieren sie die sichtbaren Details und unterstreichen damit die skulputurale Körperhaftigkeit. Mit möglichst groß gewählten Metallplatten schaffen sie eine neue Maßstäblichkeit neben den kleinteiligen Lochfassaden. Wo im Altbau Metall verwendet wurde, ist es sichtbar verschraubt oder genietet. Trotz der konstruktiven Einfachheit wirkt das aus heutigem Blickwinkel wie „Industrieornamentik“. In Zusammenarbeit mit der ausführenden Firma entwickelten HSH Architekten eine verdeckte Aufhängung der Fassadentafeln. Damit entsteht ein klarer Gesamteindruck, jede Ablenkung durch kleine Details wird vermieden.

Die Fassaden sind in eloxiertem Aluminium ausgeführt. Dieses Material schafft zugleich die gewünschte kontrastierende Wirkung und Reflexion des Vorhandenen. Haptisch und farblich bietet es einen starken Kontrast zum rauen Klinker. Dabei reagiert das matt schimmernde Metall unterschiedlich auf verschiedene Lichtstimmungen: Bei grauem Wetter verschwinden die neuen Bauteile fast im Berliner Himmel. Bei Sonnenschein dagegen reflektiert die Aluminium-oberfläche die Klinkerfassade und spiegelt so die Verzahnung der Bauteile.








Neu gegen Alt: Das Treppenhaus Ost



Neben dem Abspannwerk Nord sind die Reste eines alten Treppenhauses erhalten. Sie sind das letzte Zeugnis des im Krieg zerstörten Akkumulatorenhauses. An diese Stelle, zwischen Altbau und Ruine, haben Hoyer Schindele Hirschmüller + Partner einen neuen Baukörper gesetzt. Er erschließt die Bürogeschosse des Abspannwerks Nord. Innen wie außen haben die Architekten mit klaren Formen gearbeitet. Zwei kreisrunde Oberlichter setzen einen besonderen Akzent.

Die Fassadentafeln aus eloxiertem Aluminium sind an die Geschoss- und Brüstungshöhen angepasst. Durch das einheitliche Fugenmaß und die nicht sichtbare Konstruktion wird eine flächige Wirkung erzielt. Eine besondere Eleganz erhält die Fassade dadurch, dass die Fugen direkt aus dem gleichen Material geformt sind. Die Tafeln sind ineinander gesteckt und verdeckt an eine Blechunterkonstruktion geschraubt. Die Fassaden sind hinterlüftet und gedämmt.






Neue Maßstäblichkeit in alter Struktur: Die Aluminiumfenster



Während die denkmalgeschützten Hallen in beiden Abspannwerken in ihrer Struktur erhalten blieben, wurden die Obergeschosse tiefgreifend verändert und an die Büronutzung angepasst. Durch die farbigen Glasbrüstungen vor den Fensterflächen sind diese Änderungen der inneren Gebäudestruktur auch an der Fassade ablesbar. Neu eingefügte Fenster sind grundsätzlich mit Blockprofilen aus Aluminium ausgeführt.

Dabei wurde die Fassade innerhalb der bestehenden Fassadengliederung umgestaltet: Die neu geschaffenen Fenster sind genau in die Struktur des Altbaus eingepasst. An der Hoffassade bestimmen Lisenen als starke vertikale Linien das Fassadenbild. Entsprechend betonen die neuen Fenster diese Vertikale. Das Material Aluminium ist hier linear eingesetzt – im Gegensatz zu den räumlichen Fassaden der neuen Gebäudeteile.








Chillout-Lounge und Technikräume: Die Dachlandschaft



Die neu geschaffene Chillout-Lounge auf dem Dach bietet einen weiten Panoramablick über die Stadt. Diese Lounge und die Hallen im Erdgeschoss werden als Veranstaltungsräume vermietet. Damit wird das Areal wieder öffentlich zugänglich und die urbane und historische Qualität erlebbar gemacht.

Hier ist die Öffnung zur Stadt und zum Himmel wichtig. Durch die großen Fensterflächen kann man von außen durch die Lounge hindurch schauen. Die Stadt spiegelt sich im Fensterglas. Die plastische Wirkung des Volumens ist hier zugunsten der Verbindung zur Stadt etwas zurückgenommen. Durch Fensterprofile im gleichen Material wird dennoch eine einheitliche Wirkung des Gebäudekörpers erzielt.

Die Technikinseln auf beiden Dächern dagegen kommen ohne Fensteröffnungen aus und können so eine rein skulpturale Wirkung entfalten.