Der Umbau des Abspannwerkes zum Firmensitz eines IT-Unternehmens ist eine einfache Fortsetzung seiner Geschichte als Gebäudehybrid: Erst wurde aus dem Elektrizitätswerk ein Abspannwerk, nach dem 2. Weltkrieg eine Ruine, ein Denkmal, nach dem Fall der Mauer ein Underground-Nachtclub und schließlich ein Bürogebäude. Mit der Einführung von Balkonen an der Westfassade und auch in deren Abkürzung durch französische Fenster geht die hybridisierende Erweiterung fest definierter funktionaler und ästhetischer Zuordnungen einen Schritt weiter: Der Balkon als neues Fassadenelement kommt dem Hinzufügen einer imaginären Wohnfunktion gleich, die dem Büronutzer im Inneren des Gebäudes neue Aufenthaltsqualitäten ermöglicht und von außen das Spektrum der Lesbarkeiten der Fassade bezüglich der Maßstäblichkeit, Bedeutung und Funktion des Gebäudes erweitert; auf der strengen, massiven Fassade werden durch die Balkone die menschliche Proportion und die Möglichkeit des Hinaustretens sichtbar. Ein weiterer Kontrast entsteht auf einer sprachlich–ästhetische Ebene durch die in beiden Varianten vorhandenen farbigen Glasbrüstungen: Was von Nahem das monochrome Wiedereinsetzen eines im Klinkermauerwerk vorhanden Farbpunktes ist, wird von außen zum ästhetischen Kontrapunkt zu der Monumentalität des Abspannwerkes und der Rigidität des Finanzministeriums. |
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